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Legacy-Modernisierung ohne Risiko: Der strategische Ansatz für technische Schulden

9. Januar 2026 [aioseo_eeat_author_bio]

Einleitung: Das Legacy-Dilemma

In der schnelllebigen Welt der Digitalisierung stehen Unternehmen vor einem grundlegenden Dilemma: Einerseits müssen sie innovativ und agil sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Andererseits sind sie oft durch historisch gewachsene Legacy-Systeme gebremst, die zwar geschäftskritische Funktionen erfüllen, aber gleichzeitig die digitale Transformation behindern.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut einer aktuellen Studie von Gartner fließen durchschnittlich 60-80% der IT-Budgets in den Betrieb und die Wartung bestehender Systeme, während nur 20-40% für Innovation und Wachstum zur Verfügung stehen. Besonders alarmierend: In vielen Großunternehmen sind bis zu 70% der Anwendungen als "Legacy" zu bezeichnen – Systeme, die technologisch veraltet sind, aber weiterhin geschäftskritische Funktionen erfüllen.

Die Herausforderung ist komplex: Diese Systeme können nicht einfach abgeschaltet werden, da sie oft das Rückgrat des operativen Geschäfts bilden. Gleichzeitig stellen sie ein wachsendes Risiko dar – von steigenden Wartungskosten über Sicherheitslücken bis hin zu mangelnder Anpassungsfähigkeit an neue Geschäftsanforderungen.

In diesem Artikel zeigen wir, wie Unternehmen einen strategischen Ansatz zur Legacy-Modernisierung entwickeln können, der Risiken minimiert und gleichzeitig den Weg für Innovation ebnet.

Die versteckten Kosten von Legacy-Systemen

Legacy-Systeme verursachen weit mehr Kosten als nur die offensichtlichen Lizenz- und Wartungsgebühren. Um eine fundierte Modernisierungsstrategie zu entwickeln, müssen zunächst alle Kostenfaktoren transparent gemacht werden:

1. Direkte Betriebskosten

Die offensichtlichsten Kosten umfassen Lizenzen, Hardware, Wartungsverträge und Betriebspersonal. Diese Kosten steigen mit zunehmendem Alter der Systeme oft überproportional an:

  • Wartungsverträge: Für Altsysteme können die Wartungskosten jährlich um 15-20% steigen, besonders wenn der Hersteller den Support einschränkt oder einstellt.
  • Hardware-Kosten: Veraltete Systeme benötigen oft spezielle Hardware, die zunehmend teurer und schwerer zu beschaffen wird.
  • Betriebspersonal: Die Betreuung von Legacy-Systemen erfordert spezialisiertes Know-how, das am Markt immer seltener und teurer wird.

2. Talent-Mangel und Know-how-Verlust

Ein oft unterschätzter Kostenfaktor ist der zunehmende Mangel an Fachkräften für veraltete Technologien:

  • Rekrutierungsherausforderungen: Die Suche nach Experten für COBOL, Fortran oder andere ältere Technologien wird immer schwieriger und kostspieliger.
  • Wissenstransfer: Mit jedem ausscheidenden Mitarbeiter geht wertvolles implizites Wissen verloren, das oft unzureichend dokumentiert ist.
  • Attraktivität als Arbeitgeber: Unternehmen mit überwiegend veralteten Technologien haben Schwierigkeiten, junge Talente anzuziehen und zu halten.

3. Innovationshemmung

Legacy-Systeme binden nicht nur Ressourcen, sondern behindern aktiv die Innovation:

  • Lange Release-Zyklen: Während moderne Systeme kontinuierliche Deployments ermöglichen, erfordern Legacy-Systeme oft monatelange Release-Zyklen.
  • Integrationsprobleme: Die Anbindung moderner Technologien und Cloud-Services wird durch veraltete Schnittstellen erschwert oder unmöglich gemacht.
  • Datensilos: Legacy-Systeme halten wertvolle Daten in isolierten Silos, die für moderne Analytics- und KI-Anwendungen schwer zugänglich sind.

4. Erhöhte Geschäftsrisiken

Mit zunehmendem Alter steigen die mit Legacy-Systemen verbundenen Risiken exponentiell:

  • Sicherheitsrisiken: Veraltete Systeme erhalten oft keine Sicherheitsupdates mehr und werden zu leichten Zielen für Cyberangriffe.
  • Compliance-Probleme: Neue regulatorische Anforderungen (wie DSGVO) sind mit alten Systemen oft nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht umsetzbar.
  • Ausfallrisiken: Die Wahrscheinlichkeit von Systemausfällen steigt mit dem Alter, während gleichzeitig die Wiederherstellungszeiten länger werden.

5. Opportunitätskosten

Vielleicht am schwerwiegendsten sind die Opportunitätskosten – verpasste Geschäftschancen aufgrund mangelnder Agilität:

  • Time-to-Market: Neue Produkte und Services können nicht schnell genug entwickelt und eingeführt werden.
  • Kundenerlebnis: Moderne, nahtlose Kundenerlebnisse sind mit veralteten Backend-Systemen schwer zu realisieren.
  • Datennutzung: Das Potenzial von Datenanalyse, KI und Machine Learning bleibt ungenutzt.

Eine Studie von McKinsey zeigt, dass Unternehmen mit einem hohen Anteil an Legacy-Systemen im Durchschnitt 15-25% weniger Umsatzwachstum verzeichnen als ihre moderneren Wettbewerber.

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Expertentipp

Know-how-Risiko als Treiber: Ein unterschätzter Modernisierungstreiber ist der Talent- und Wissensverlust. Systeme, die nur noch wenige Spezialisten beherrschen (oder schlecht dokumentiert sind), sollten in der Priorisierung automatisch nach oben rücken.

Methodik zur Bewertung und Priorisierung technischer Schulden

Bevor eine Modernisierungsstrategie entwickelt werden kann, müssen technische Schulden systematisch erfasst und bewertet werden. Hier ein strukturierter Ansatz:

1. Bestandsaufnahme und Kategorisierung

Der erste Schritt ist eine vollständige Inventarisierung aller Systeme und deren Kategorisierung:

  • Funktionale Dimension: Welche Geschäftsfunktionen werden unterstützt?
  • Technische Dimension: Welche Technologien, Plattformen und Sprachen werden verwendet?
  • Lebenszyklus-Dimension: In welcher Phase des Lebenszyklus befinden sich die Systeme?
  • Integrations-Dimension: Welche Abhängigkeiten zu anderen Systemen bestehen?

2. Multidimensionale Bewertung

Jedes System sollte anhand mehrerer Dimensionen bewertet werden:

Business Value

  • Geschäftskritikalität: Wie wichtig ist das System für das Kerngeschäft?
  • Nutzungsintensität: Wie intensiv wird das System genutzt?
  • Strategische Ausrichtung: Wie gut unterstützt das System aktuelle und zukünftige Geschäftsziele?

Technischer Zustand

  • Technologiealter: Wie alt ist die verwendete Technologie im Vergleich zum Marktstandard?
  • Wartbarkeit: Wie einfach oder schwierig sind Änderungen umzusetzen?
  • Dokumentationsqualität: Wie gut ist das System dokumentiert?
  • Testabdeckung: Existieren automatisierte Tests?

Risikofaktoren

  • Sicherheitsrisiken: Bestehen bekannte Sicherheitslücken?
  • Compliance-Risiken: Erfüllt das System aktuelle regulatorische Anforderungen?
  • Betriebsrisiken: Wie hoch ist die Ausfallwahrscheinlichkeit?
  • Personalrisiken: Wie abhängig ist das System von spezifischem Know-how?

Kosten

  • Betriebskosten: Wie hoch sind die laufenden Kosten?
  • Änderungskosten: Wie aufwändig sind Anpassungen?
  • Modernisierungskosten: Wie hoch wären die Kosten einer Modernisierung?
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Expertentipp

Bewertungsdimensionen erweitern: Bewerten Sie Anwendungen nicht eindimensional. Kombinieren Sie mindestens vier Perspektiven: Business Value, technischer Zustand, Risikofaktoren (Security/Compliance/Betrieb/Personal) und Kosten (Run + Change). Erst diese Gesamtsicht macht Prioritäten belastbar.

3. Visualisierung und Priorisierung

Die Ergebnisse der Bewertung sollten visualisiert werden, um Entscheidungen zu unterstützen:

Application Portfolio Matrix

Eine zweidimensionale Matrix mit "Business Value" auf der einen und "Technischer Zustand" auf der anderen Achse ermöglicht eine erste Kategorisierung:

  • Invest (hoher Business Value, guter technischer Zustand): Weiterentwickeln und ausbauen
  • Migrate (hoher Business Value, schlechter technischer Zustand): Modernisieren mit hoher Priorität
  • Tolerate (niedriger Business Value, guter technischer Zustand): Beibehalten, aber nicht weiterentwickeln
  • Eliminate (niedriger Business Value, schlechter technischer Zustand): Abschalten oder konsolidieren

Technical Debt Heat Map

Eine Heat Map, die Risiken und Kosten visualisiert, hilft bei der Identifikation der dringendsten Modernisierungsbedarfe.

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Expertentipp

Risiken sichtbar machen: Nutzen Sie eine Technical-Debt-Heat-Map, um „stille Brandherde" zu identifizieren: End-of-Life-Technologien, fehlende Security-Patches, schwache Dokumentation, geringe Testabdeckung und Know-how-Abhängigkeiten. Das schafft Entscheidungsfähigkeit – auch außerhalb der IT.

4. ROI-Berechnung für Modernisierungsoptionen

Für priorisierte Systeme sollte eine detaillierte ROI-Berechnung verschiedener Modernisierungsoptionen erfolgen:

  • Kosteneinsparungen: Reduzierte Betriebs- und Wartungskosten
  • Risikoreduzierung: Monetärer Wert verringerter Ausfallrisiken und Sicherheitslücken
  • Geschäftlicher Mehrwert: Erhöhte Agilität, schnellere Time-to-Market, verbesserte Kundenerfahrung
  • Investitionskosten: Einmalige und laufende Kosten der Modernisierung
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Expertentipp

ROI umfasst auch Risiko & Opportunität: Modernisierungs-ROI ist mehr als Betriebskosten. Rechnen Sie auch Risikokosten (Ausfälle, Security, Compliance) und Opportunitätskosten (Time-to-Market, Datenzugang, Kundenerlebnis) ein.

Strategien für risikoarme Modernisierung

Es gibt nicht den einen richtigen Weg zur Modernisierung von Legacy-Systemen. Vielmehr stehen verschiedene Strategien zur Verfügung, die je nach Kontext und Zielsetzung kombiniert werden können:

1. Encapsulation: Altes bewahren, modern zugänglich machen

Bei dieser Strategie bleibt das Legacy-System im Kern bestehen, wird aber durch moderne APIs gekapselt:

  • API-Layer: Implementierung einer modernen API-Schicht, die den Zugriff auf Legacy-Funktionen standardisiert
  • Service-Fassade: Entwicklung von Service-Fassaden, die komplexe Legacy-Funktionen als einfache Services bereitstellen
  • Event-Driven Integration: Einführung von Event-Brokern, die Legacy-Systeme in moderne Event-Architekturen integrieren

Vorteile:

  • Geringes Risiko, da das Kernsystem unverändert bleibt
  • Schnelle Ergebnisse mit überschaubarem Aufwand
  • Ermöglicht schrittweise Modernisierung

Nachteile:

  • Die grundlegenden Probleme des Legacy-Systems bleiben bestehen
  • Zusätzliche Komplexität durch neue Schichten
  • Langfristig höhere Gesamtkosten möglich

Idealer Einsatz: Für hochkritische Systeme mit komplexer Geschäftslogik, die kurzfristig in moderne Architekturen integriert werden müssen.

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Expertentipp

Quick Win ohne Kernsystem-Risiko: Wenn das Kernsystem nicht angefasst werden kann: Starten Sie mit Encapsulation. Eine API-Schicht macht Legacy-Funktionen modern nutzbar – ohne Big-Bang-Risiko und mit schnellen Integrationsgewinnen.

2. Replatforming: Gleiche Funktionalität, moderne Plattform

Bei dieser Strategie wird das System auf eine moderne technische Plattform migriert, ohne die Funktionalität wesentlich zu verändern:

  • Lift & Shift: Migration in die Cloud ohne grundlegende Änderungen
  • Containerisierung: Verpackung von Legacy-Anwendungen in Container
  • Datenbankmodernisierung: Migration von Legacy-Datenbanken auf moderne Datenbanksysteme

Vorteile:

  • Reduzierte Infrastrukturkosten und verbesserte Skalierbarkeit
  • Verlängerung der Lebensdauer bei gleichbleibender Funktionalität
  • Geringeres Risiko als komplette Neuentwicklung

Nachteile:

  • Begrenzte Verbesserung der Wartbarkeit und Agilität
  • "Lift & Shift" kann in der Cloud ineffizient und teuer sein
  • Technische Schulden werden teilweise mitgenommen

Idealer Einsatz: Für Systeme mit solider Funktionalität, aber veralteter Infrastruktur oder Plattform.

3. Refactoring: Schrittweise Verbesserung

Beim Refactoring wird der Code schrittweise verbessert, ohne die Funktionalität zu verändern:

  • Code-Qualitätsverbesserung: Systematische Verbesserung der Codequalität
  • Modularisierung: Aufbrechen monolithischer Strukturen in Module
  • Technische Schuldenreduktion: Gezielte Beseitigung technischer Schulden

Vorteile:

  • Kontinuierliche Verbesserung ohne große Risiken
  • Kann parallel zum normalen Betrieb erfolgen
  • Erhalt von Domänenwissen und bewährter Funktionalität

Nachteile:

  • Zeitaufwändig und ressourcenintensiv
  • Erfordert diszipliniertes Vorgehen und klare Governance
  • Grundlegende Architekturprobleme können oft nicht behoben werden

Idealer Einsatz: Für Systeme mit solider Architektur, aber Qualitätsproblemen im Code.

4. Strangler Pattern: Schrittweise Ablösung

Das Strangler Pattern ermöglicht eine schrittweise Ablösung des Legacy-Systems durch neue Komponenten:

  • Funktionale Dekomposition: Identifikation abgrenzbarer Funktionsbereiche
  • Schrittweise Ersetzung: Entwicklung neuer Komponenten für jeden Funktionsbereich
  • Parallelbetrieb: Temporärer Parallelbetrieb von alten und neuen Komponenten

Vorteile:

  • Risikominimierung durch schrittweises Vorgehen
  • Frühe Wertschöpfung durch neue Komponenten
  • Möglichkeit zur Kurskorrektur während der Modernisierung

Nachteile:

  • Komplexe Übergangsarchitektur
  • Höherer Koordinationsaufwand
  • Längere Gesamtdauer der Modernisierung

Idealer Einsatz: Für komplexe, monolithische Systeme, die nicht auf einmal ersetzt werden können.

5. Rebuild: Komplette Neuentwicklung

In manchen Fällen ist eine komplette Neuentwicklung die beste Option:

  • Greenfield-Ansatz: Entwicklung eines neuen Systems von Grund auf
  • Domain-Driven Design: Neumodellierung der Geschäftsdomäne
  • Moderne Architektur: Einsatz moderner Architekturmuster wie Microservices

Vorteile:

  • Keine Übernahme technischer Schulden
  • Optimale Nutzung moderner Technologien und Praktiken
  • Chance zur grundlegenden Prozessverbesserung

Nachteile:

  • Höchstes Risiko und höchste initiale Kosten
  • Gefahr der Wiederholung von Fehlern oder Verlust von Funktionalität
  • Lange Zeit bis zur Wertschöpfung

Idealer Einsatz: Für Systeme mit fundamentalen Architekturproblemen oder wenn die Geschäftsanforderungen sich grundlegend geändert haben.

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Expertentipp

Modernisierung ist meist ein Strategiemix: Es gibt nicht „die eine" Modernisierung. Kombinieren Sie je System: Encapsulation, Replatforming, Refactoring, Strangler Pattern oder Rebuild – abhängig von Kritikalität, Risiko und Zielbild.

Fallbeispiel: Schrittweise Modernisierung eines Kernsystems ohne Betriebsunterbrechung

Ein europäischer Versicherungskonzern stand vor der Herausforderung, sein 25 Jahre altes Kernsystem für die Policenverwaltung zu modernisieren. Das System verwaltete über 3 Millionen Policen und war für das Tagesgeschäft unverzichtbar. Eine Betriebsunterbrechung war keine Option.

Ausgangssituation

  • Technologie: Mainframe-basiertes System mit COBOL und einer proprietären Datenbank
  • Herausforderungen:
    • Hohe Betriebskosten (ca. 12 Millionen Euro jährlich)
    • Mangel an qualifizierten Entwicklern
    • Lange Release-Zyklen (3-4 Monate)
    • Unmöglichkeit, moderne Vertriebskanäle anzubinden

Der strategische Ansatz

Das Unternehmen entschied sich für eine Kombination aus mehreren Modernisierungsstrategien:

Phase 1: Encapsulation und API-First (6 Monate)

  • Implementierung einer API-Schicht, die Legacy-Funktionen als REST-Services bereitstellte
  • Entwicklung eines API-Gateways für Sicherheit und Monitoring
  • Erste Anbindung moderner Frontend-Anwendungen

Ergebnis: Neue digitale Vertriebskanäle konnten angebunden werden, ohne das Kernsystem zu verändern.

Phase 2: Strangler Pattern und Domain-Driven Design (18 Monate)

  • Identifikation von 12 abgrenzbaren Domänen (z.B. Kundenverwaltung, Policenverwaltung, Schadensmeldung)
  • Priorisierung basierend auf Business Value und technischen Abhängigkeiten
  • Schrittweise Entwicklung neuer Microservices für jede Domäne
  • Implementierung einer Event-Driven-Architektur für die Kommunikation

Ergebnis: Nach 18 Monaten waren 40% der Funktionalität in moderne Microservices migriert, mit deutlich verbesserter Agilität in diesen Bereichen.

Phase 3: Datenmodernisierung und Replatforming (12 Monate)

  • Entwicklung einer Datenmigrationsstrategie
  • Implementierung von Change Data Capture für kontinuierliche Datensynchronisation
  • Schrittweise Migration von Daten in moderne, cloudbasierte Datenbanken
  • Replatforming verbleibender Legacy-Komponenten in Container

Ergebnis: Reduzierte Infrastrukturkosten und verbesserte Datenverfügbarkeit für Analytics.

Phase 4: Vollständige Ablösung (12 Monate)

  • Migration der verbleibenden Funktionalität
  • Schrittweise Abschaltung des Legacy-Systems
  • Konsolidierung und Optimierung der neuen Architektur

Ergebnis: Vollständige Ablösung des Mainframe-Systems nach insgesamt 4 Jahren.

Die Ergebnisse

Die schrittweise Modernisierung führte zu beeindruckenden Ergebnissen:

  • Kosteneinsparungen: Reduktion der jährlichen Betriebskosten um 65% (von 12 auf 4,2 Millionen Euro)
  • Agilität: Verkürzung der Release-Zyklen von Monaten auf Tage oder Stunden
  • Innovation: Einführung von 8 neuen digitalen Produkten innerhalb von 2 Jahren
  • Risikominimierung: Keine nennenswerten Betriebsunterbrechungen während der gesamten Modernisierung

Der entscheidende Erfolgsfaktor war der schrittweise, risikominimierende Ansatz, der frühe Wertschöpfung ermöglichte und gleichzeitig den kontinuierlichen Betrieb sicherstellte.

ROI-Berechnung für Legacy-Modernisierung

Eine fundierte ROI-Berechnung ist entscheidend, um Modernisierungsinitiativen zu rechtfertigen und zu priorisieren. Hier ein strukturierter Ansatz:

1. Kostenanalyse des Status Quo

Zunächst müssen alle aktuellen Kosten des Legacy-Systems erfasst werden:

  • Direkte IT-Kosten:
    • Lizenzkosten
    • Hardware- und Infrastrukturkosten
    • Wartungsverträge
    • Personalkosten für Betrieb und Support
    • Entwicklungskosten für Änderungen und Anpassungen
  • Indirekte Kosten:
    • Produktivitätsverluste durch manuelle Workarounds
    • Kosten für Datenbereinigung und -integration
    • Kosten für Schnittstellen zu anderen Systemen
    • Schulungskosten für spezialisiertes Know-how
  • Risikokosten:
    • Erwartete Kosten durch Ausfälle (Häufigkeit × Auswirkung)
    • Potenzielle Kosten durch Sicherheitsvorfälle
    • Compliance-Risiken und mögliche Strafen
    • Kosten durch verzögerte Markteinführungen

2. Investitionskosten der Modernisierung

Für jede Modernisierungsoption müssen die Investitionskosten detailliert geschätzt werden:

  • Einmalige Kosten:
    • Analyse- und Planungskosten
    • Entwicklungs- und Implementierungskosten
    • Testkosten
    • Migrationskosten
    • Schulungskosten
  • Laufende Kosten:
    • Neue Lizenz- und Subskriptionskosten
    • Cloud-Infrastrukturkosten
    • Betriebskosten der neuen Lösung
    • Wartungs- und Weiterentwicklungskosten

3. Quantifizierung des Business Value

Der geschäftliche Mehrwert der Modernisierung sollte so konkret wie möglich quantifiziert werden:

  • Kosteneinsparungen:
    • Reduzierte Betriebskosten
    • Geringere Wartungskosten
    • Personaleffizienz durch Automatisierung
    • Reduzierte Ausfallkosten
  • Umsatzpotenzial:
    • Schnellere Time-to-Market für neue Produkte
    • Erschließung neuer Vertriebskanäle
    • Verbesserte Kundenerfahrung und -bindung
    • Neue Geschäftsmodelle durch moderne Technologien
  • Risikoreduktion:
    • Verringerte Ausfallwahrscheinlichkeit
    • Verbesserte Sicherheit
    • Erhöhte Compliance
    • Reduzierte Abhängigkeit von Spezialwissen

4. ROI-Berechnung und Sensitivitätsanalyse

Mit diesen Daten kann der ROI berechnet werden:

ROI = (Kumulierter Nutzen - Investitionskosten) / Investitionskosten × 100%

Zusätzlich sollte eine Sensitivitätsanalyse durchgeführt werden, um die Robustheit der Berechnung zu prüfen:

  • Wie verändert sich der ROI bei Kostensteigerungen von 20%?
  • Wie verändert sich der ROI bei verzögerter Umsetzung?
  • Welche Annahmen haben den größten Einfluss auf den ROI?

Beispielrechnung

Für ein mittelgroßes Legacy-System könnte die ROI-Berechnung wie folgt aussehen:

Status Quo (jährlich):

  • Direkte IT-Kosten: 2,5 Mio. €
  • Indirekte Kosten: 1,2 Mio. €
  • Risikokosten: 0,8 Mio. €
  • Gesamtkosten: 4,5 Mio. € pro Jahr

Modernisierungsinvestition:

  • Einmalige Kosten: 6,0 Mio. €
  • Neue jährliche Kosten: 1,8 Mio. €

Business Value (jährlich):

  • Kosteneinsparungen: 2,7 Mio. €
  • Umsatzpotenzial: 1,5 Mio. €
  • Risikoreduktion: 0,6 Mio. €
  • Gesamtnutzen: 4,8 Mio. € pro Jahr

ROI-Berechnung (5 Jahre):

  • Kumulierter Nutzen: 4,8 Mio. € × 5 = 24,0 Mio. €
  • Kumulierte neue Kosten: 1,8 Mio. € × 5 = 9,0 Mio. €
  • Netto-Nutzen: 24,0 - 9,0 = 15,0 Mio. €
  • Investition: 6,0 Mio. €
  • ROI: (15,0 Mio. € / 6,0 Mio. €) × 100% = 250%
  • Break-even: Nach ca. 2,1 Jahren

Diese Beispielrechnung zeigt einen positiven ROI von 250% über 5 Jahre, mit einem Break-even nach etwa 2,1 Jahren – eine solide Grundlage für eine Investitionsentscheidung.

Praktische Schritte zur Entwicklung einer Legacy-Modernisierungsstrategie

Basierend auf den vorgestellten Konzepten und Methoden, hier ein praktischer Leitfaden zur Entwicklung einer maßgeschneiderten Modernisierungsstrategie:

1. Transparenz schaffen

Der erste Schritt ist die Schaffung vollständiger Transparenz über die Legacy-Landschaft:

  • Application Portfolio Management etablieren
  • Technische Schulden systematisch erfassen
  • Abhängigkeiten und Schnittstellen dokumentieren
  • Geschäftskritikalität und -wert bewerten

2. Modernisierungsziele definieren

Klare, messbare Ziele sind entscheidend für den Erfolg:

  • Kostenziele: z. B. "Reduktion der IT-Betriebskosten um 30% innerhalb von 3 Jahren"
  • Agilitätsziele: z.B. "Verkürzung der Time-to-Market für neue Features von Monaten auf Wochen"
  • Risikoziele: z.B. "Eliminierung aller End-of-Life-Technologien bis Ende 2026"
  • Innovationsziele: z. B. "Ermöglichung von 5 neuen digitalen Geschäftsmodellen"

3. Modernisierungsoptionen evaluieren

Für jedes System oder jede Systemgruppe sollten verschiedene Optionen evaluiert werden:

  • Encapsulation vs. Replatforming vs. Rebuild
  • Big Bang vs. schrittweise Modernisierung
  • Make vs. Buy vs. SaaS
  • On-Premise vs. Cloud vs. Hybrid

4. Roadmap entwickeln

Eine realistische, priorisierte Roadmap ist das Herzstück der Modernisierungsstrategie:

  • Quick Wins identifizieren: Maßnahmen mit hohem Nutzen und geringem Risiko
  • Abhängigkeiten berücksichtigen: Technische und organisatorische Voraussetzungen
  • Ressourcen planen: Interne und externe Kapazitäten
  • Meilensteine definieren: Messbare Zwischenziele

5. Governance-Modell etablieren

Ein effektives Governance-Modell sichert den nachhaltigen Erfolg:

  • Entscheidungsgremien: z.B. Architecture Review Board
  • Architekturprinzipien: Leitlinien für Modernisierungsentscheidungen
  • Fortschrittsmessung: KPIs zur Messung des Modernisierungsfortschritts
  • Risikomanagement: Proaktive Identifikation und Mitigation von Risiken

6. Change Management nicht vergessen

Die organisatorische Dimension ist oft entscheidend für den Erfolg:

  • Stakeholder-Management: Frühzeitige Einbindung aller Betroffenen
  • Kommunikationsstrategie: Transparente Kommunikation von Zielen und Fortschritten
  • Skill-Entwicklung: Aufbau der notwendigen Kompetenzen
  • Kulturwandel: Förderung einer innovationsfreundlichen Kultur

Fazit: Legacy-Modernisierung als strategische Chance

Die Modernisierung von Legacy-Systemen ist weit mehr als ein technisches Projekt - sie ist eine strategische Chance, die Weichen für die digitale Zukunft des Unternehmens zu stellen. Mit einem strukturierten, risikominimierenden Ansatz können Unternehmen nicht nur die Kosten und Risiken ihrer IT-Landschaft reduzieren, sondern auch die Grundlage für Innovation und Wachstum schaffen.

Die vorgestellten Methoden und Strategien bieten einen Rahmen, der an die spezifischen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen jedes Unternehmens angepasst werden kann. Entscheidend ist ein ausgewogener Ansatz, der kurzfristige Verbesserungen mit langfristiger Transformation verbindet und technische Aspekte ebenso berücksichtigt wie geschäftliche und organisatorische Faktoren.

In einer Zeit, in der digitale Agilität über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, ist die Modernisierung des Legacy-Portfolios keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Unternehmen, die diesen Weg proaktiv und strategisch gehen, schaffen sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.

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